Zünftige Bierfeste – süffige Festbiere

Gäubodenvolksfest

Das Gäubodenvolksfest: Die elf Tage in August prägen den Rhythmus der Stadt Straubing. (Foto: Ulli Scharrer)

In Bayern gibt es viele traditionsreiche Herbstfeste – teilweise schon seit dem 14. Jahrhundert wie das Gillamoos in Abensberg. Ein kleiner Führer für unsere Volksfeste.

 

Wenn das Braugetreide gedroschen und der Hopfen gezupft ist, beginnt im Bierland Bayern die Zeit der traditionellen Feste. Auf dem Straubinger Gäubodenvolksfest, dem niederbayerischen Gillamoos und dem Oktoberfest lassen Einheimische und Gäste bei süffigen Festbieren den Sommer ausklingen.


Solange das Sommerbrauverbot galt, mussten Biere für Herbstfeste im März gebraut werden. Dass es den Sommer hindurch in den Felsenkeller haltbar blieb, war es stärker und enthielt mehr Hopfen. Noch heute wird auf Herbstfesten Märzenbier ausgeschenkt. Oft hat es aber nicht mehr die leuchtend dunkle und rotgoldene Farbe, sondern ist trotz des hohen Stammwürzegehalts hell bis goldgelb.

Gäubodenvolksfest Straubing (12. bis 22.8. 2016)

Bereits am zweiten Wochenende im August öffnen die als landwirtschaftliche Leistungsschauen entstandenen Volksfeste Allgäuer Festwoche und Gäubodenvolksfest ihre Tore. Wie beim Oktoberfest fand beim Gäubodenvolksfest neben der Ausstellung landwirtschaflticher Anbaumethoden, Zuchtschauen und Agrartechnik auch ein Pferderennen statt. Bereits seit Gründung des Festes 1812 sind auch Umzüge, Vergnügungseinrichtungen wie Schießstände oder Kegelbahnen und natürlich Bierzelte der ortsansässigen Brauereien überliefert.

Allgäuer Festwoche Kempten (13. bis 21.8.2016)

Obwohl die Land- und Milchwirtschaft im Allgäu eine wichtige Rolle spielt, geht die Allgäuer Festwoche auf eine Gewerbeausstellung zurück, die der Kemptner Gewerbeverein erstmals 1923 veranstaltete. Hinzu kamen Tagungen und Darbietungen der Verbände und der Milchwirtschaft. Das große Festzelt der bedeutendsten Wirtschaftsmesse in der Region Allgäu wird von den beiden Rettenberger Privatbrauereien Engelbräu und Zötler mit Festbieren beliefert. Es hat einen Stammwürzegehalt von 13,5 Prozent und 5,8 Volumenprozent Alkohol.

Gillamoos Abensberg (1. bis 5.9. 2016)

Der Gillamoos im niederbayerischen Abensberg beginnt Anfang September. Er ist der älteste und größte Jahrmarkt der Hallertau, dem größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt. Urkundlich erwähnt wurde das Volksfest 1313 als Pferdemarkt beim Kirchlein Sankt Gilg am Moos. Heute ist der Gillamoos ein Volksfest mit köstlichen Festbieren aus Abensberg. 2013 gab es außerdem speziell zum 700-Jährigen ein dunkles Jubiläumsfestbier mit 13,6 Prozent Stammwürze.

Erding (26.8.-4.9.), Rosenheim (29.8.-10.9.)

Zeitgleich zum Gillamoos beginnen die Herbstfeste in Erding und Rosenheim, die beide ebenfalls als landwirtschaftliche Bezirksfeste entstanden. In Erding wird eine Festweiße ausgeschenkt, die es nur auf dem Herbstfest gibt. Die beiden Rosenheimer Brauereien Flötzinger und Auerbräu halten an der Tradition ihrer Wiesn-Märzen fest. Der Flötzinger Bräu braut es ausschließlich mit alten aromatischen Hopfensorten.

Oktoberfest München (17.9. bis 2.10.2016)

Das Münchner Oktoberfest beginnt traditionell mit dem Einzug der Festwirte auf ihren prächtig geschmückten Brauereigespannen. 16 Tage lang lassen sich Einheimische und Gäste aus aller Welt zum „Prosit der Gemütlichkeit" eine frisch gezapfte Maß der sechs  verschiedenen Oktoberfestbiere aus den Münchner Traditionsbrauereien zu Hendl und Brezn schmecken.

Kerwa in Franken

Kirchweih feiern die Altbayern am dritten Oktobersonntag, nur in Franken und der Oberpfalz gibt es keinen einheitlichen Termin. Höhepunkt der fränkischen „Kerwa" ist jedoch auch der Herbst. Zu Hause und in den Gastwirtschaften lässt man sich deftige Kirchweihspezialitäten schmecken, dazu serviert man auf jeden Fall gutes Bier aus der Region. Schließlich ist Franken die Gegend mit der größten Brauereidichte der Welt.

Die Bierfeste locken nicht nur viele Besucher nach Bayern, sondern mehren auch den Ruhm der bayerischen Bierqualität. Das Bewusstsein für Tradition und Qualität sind in Bayern eng verbunden. Und es wird belohnt: Sogar die Europäische Union unterstreicht die Einzigartigkeit bayerischer Biere, synonym für bayerische Tradition und Lebensfreude. Sie erhob den Begriff „Bayerisches Bier" zur geschützten geographischen Angabe (g.g.A.).


Das bedeutet: Nur Bier, das nach dem Reinheitsgebot von 1516 in Bayern gebraut wurde, darf Bayerisches Bier genannt und als bayerisches Produkt vertrieben werden.

 

 

Quelle: Bayerischer Brauerbund