Michael Sturm aus Landau: „Die Brauerei ist mein Leben"

Michael Sturm

Für Michael Sturm ist vor allem der Charakter eines Bieres wichtig:

Von Benedikt Bauer


Landau. Wenn man mit Michael Sturm durch Landau geht, erfährt man, was es heißt, in der Stadt verwurzelt zu sein: Viele Passanten grüßen den 33-Jährigen, lächeln ihm zu oder heben flüchtig die Hand. „Mir gefällt das. Das gehört für mich einfach dazu und macht auch irgendwo Spaß", sagt Sturm und lächelt. Die Brauerei Krieger ist sein Zuhause. Seit kurzem führt er sie auch als Geschäftsführer. In diese Position ist er quasi hineingeboren, hat sie doch seine Mutter Heli Sturm seit 1981 inne. „Ich will einfach, dass es weitergeht – 100 Jahre in Familienhand sind Grund genug", erläutert der neue Haupteigner seine Beweggründe.

 

Doch eigentlich hatte er zunächst nicht vor, die Brauerei zu übernehmen. Nachdem er 2002 am Landauer Gymnasium sein Abitur gemacht hatte, zog es ihn nach dem Zivi-Dienst eher in Richtung Wirtschaft. Ein BWL-Studium war daher die erste Anlaufstelle. Doch schnell reizte ihn die Arbeit in der heimischen Brauerei wieder. „Bei einigen Praktika habe ich gemerkt, dass hier mein wirkliches Herzblut dran hängt und ich nichts anderes machen will", erklärt der 33-Jährige. Also absolvierte er nach dem Studium auch noch eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer im heimischen Betrieb. „Der größte Vorteil war, dass ich so den gesamten Laden einmal selbst kennenlernen konnte", erinnert sich Sturm. An die Ausbildung schloss er dann sofort die Meisterschule an der Doemens-Akademie in Gräfelfing an. Ein Jahr lang lernte er dort das Brauhandwerk von der Pike auf und schloss sogar als Jahrgangsbester ab.


„Dann war es eigentlich klar, dass ich wieder zurück in meine Brauerei wechsle", erklärt der Landauer. Schon als kleines Kind hatte er sich oft auf dem Gelände der Brauerei aufgehalten: „Das war fast selbstverständlich, da meine Mutter ja gleichzeitig für unsere Erziehung zuständig war und die Brauerei führte." Und sein erstes Erlebnis hatte es in sich: „Ich war schon immer ein aufgeweckter Junge und hab' alles erforschen müssen. Eines Tages waren wir einmal in der Brauerei und meine Mutter hatte einen Gesprächstermin. Da hab' ich einen Hebel entdeckt und mich gefragt, für was der wohl ist und einfach dran gezogen. Leider hab ich damit dann das gesamte Trebersilo (Anm. d. Red.: Die Malzüberreste, die bei der Verarbeitung übrig bleiben) ausgeleert", erzählt Michael Sturm und lacht dabei. Sturm lacht eigentlich oft. Seine Stirn legt sich dann in leichte Falten, er kneift seine Augen etwas zusammen und lächelt sympathisch. „Der kollegiale Umgang liegt mir auch in meinem Unternehmen sehr am Herzen: Mir macht mein Job einfach Spaß", sagt der 33-Jährige, „die Brauerei ist einfach mein Leben."

 

„Mir macht mein Job einfach Spaß"

 

Schon früh konnte er sich damit anfreunden, die Gastronomie zu erleben. „ Kurz nach dem Zividienst – ich wollte gerade anfangen zu studieren – bin ich dann ins kalte Wasser geworfen worden und hab' zweieinhalb Monate das Pfief geführt", erinnert sich Sturm an diese Zeit, „ich hab' erfahren müssen, dass die Gastro kein leichtes, aber dafür ein umso schöneres Pflaster ist." Doch das Intermezzo im Stadthallen-Lokal blieb nicht sein einziges Engagement als Wirt. 2013 konnte die Brauereifamilie keinen Pächter für das verwaiste Gasthaus „Zum Oberen Krieger" finden. Also übernahm der damalige Juniorbräu gemeinsam mit seiner Mutter selbst. „Das war eine intensive Zeit: Meine Aufgaben in der Brauerei musste ich ja auch noch weiterführen." Doch für ihn war es vor allem eine interessante Episode. „Der Kontakt mit den Menschen stand für mich dabei immer im Mittelpunkt."


Seit 2014 kümmert sich Sturm wieder vollkommen um die Belange der Brauerei. Seitdem hat er nicht nur eine eigene Craft-Beer-Reihe aufgelegt, sondern auch ein Märzen wieder zu neuem Leben erweckt. „Natürlich ist jedes neue Produkt eine Herausforderung, die mit Chancen und Risiken verbunden ist, aber wenn die Erfolgsaussichten da sind, dann sollte man zumindest einmal sein Glück versuchen – und das gilt nicht nur im Brauereihandwerk."


Immer noch völlig überwältigt ist der neue Bräu vom Erfolg seines Florianibocks, der sogar einige Preise einheimsen konnte. „Für den Fall des Scheiterns hatten wir schon Plan B und Plan C in der Tasche, aber wir hätten eigentlich keinen der beiden gebraucht", freut sich der 33-Jährige. „Auch in Zukunft will ich eigene Spezialitäten anbieten: Ein Spezialsud ist anlässlich der Feier zu 500 Jahren Reinheitsgebot schon in Planung." Mittlerweile wohnt Sturm sogar in der Nähe seines Büros: in den Zimmern über dem Gasthaus zur Post. „Da hat man nicht weit in die Arbeit und ins Wirtshaus", fügt der 33-Jährige schmunzelnd an. Und auch sein privates Glück hat Michael Sturm gefunden: Seit September ist er mit seiner Frau Stephanie verheiratet. Vor Kurzem ging es mit ihr in die Flitterwochen.

 

„Ein Bier, auf das die Landauer stolz sind"

 

Nun richtet Michael Sturm seine Aufmerksamkeit wieder auf die Arbeit, die ihm am Herzen liegt. „Ich will einfach, dass die Landauer auf ihr Bier stolz sind und es gerne trinken", bringt der Bräu seine Hoffnung zum Ausdruck und erklärt gleich, was er an einem guten Bier schätzt. „Für mich ist vor allem der Charakter wichtig: Ein Bier muss auch Ecken und Kanten haben dürfen und darf nicht immer wie abgeschliffen schmecken", erklärt Sturm.


Mittlerweile haben seine Sorten auch Abnehmer in weiten Teilen Europas. „Rom, Finnland oder auch Polen sind einige Abnehmer: Als regionale Brauerei müssen wir uns jetzt auch neue Absatzmärkte erschließen, die unser Hauptgeschäft unterstützen", so der 33-Jährige, der auf dem hiesigen Biermarkt einen rückläufigen Absatz sieht. Sturm setzt alles daran, dass „seine" Brauerei noch lange ihre Tradition fortführen kann. Dann vielleicht sogar einmal in der fünften Generation der Familie Sturm.