Konzeller Biersommer: Im Sudhaus von Gossersdorf wird gefeiert

Im Sudhaus in Gossersdorf wird der Biersommer gefeiert

In Gossersdorf steht das alte Sudhaus, in dem am 4. Juni der Konzeller Biersommer eröffnet wird. (Foto: Andrea Prechtl)

Von Andrea Prechtl

 

Die Landesausstellung in Aldersbach befasst sich mit dem Thema Bier in Bayern – wer hingegen mehr zum Thema Bier in Konzell wissen will, der ist in einer Ausstellung der Gemeinde richtig, die erstmals am Wochenende 4./5. Juni gezeigt wird. Mit dem Fest, das dann beim alten Sudhaus von Gossersdorf steigt, beginnt der „Konzeller Biersommer". Und wer denkt, eine Gemeinde mit nur 1.800 Einwohnern könne wohl kaum eine große Biergeschichte haben, der irrt: „Es gab hier sechs Brauereien", erzählt Bürgermeister Fritz Fuchs, „zwei waren es allein in Gossersdorf, eine davon eine sehr bedeutende Weißbierbrauerei."


Und um das Sudhaus derselben handelt es sich bei den Räumen, in denen im Juni gefeiert wird: ein historisches Gebäude, das nach vielen Jahren im Dornröschenschlaf wieder zu sehen sein wird – quasi selbst als Haupt-Ausstellungsstück. Dafür haben der Bürgermeister und seine Helfer lockere Ziegel festgemauert, Fenster neu in die Rahmen gekittet und neben vielem anderen auch die Gestrüpp-Wildnis vor dem Eingang entfernt. „Dadurch bietet sich jetzt am Dorfplatz gleich ein ganz anderes Bild", betont Fritz Fuchs hörbar begeistert. Denn das alte Sudhaus liegt auf der anderen Straßenseite diesem Platz genau gegenüber.

 

Über 400 Jahre Brautradition

„Vor der Zeit um 1500 war Bayern ein Weinland", ruft Fuchs in Erinnerung. Als es sich zum Bierland wandelte, war Konzell gut mit dabei: In Gossersdorf, Haid und Konzell wurden um das Jahr 1600 herum Brauereien gegründet, „die Gemeinde Konzell kann also auf über 400 Jahre Brautradition zurückblicken". Im Lauf der Jahrhunderte sind zeitweise noch drei weitere, kleinere Brauereien entstanden. Von manchen ist – außer einem ehemaligen Bierkeller und ein paar Anekdoten vielleicht – nicht viel geblieben. Nur eine der ehemals sechs gibt es noch heute: Mit der Brauerei Klett hat sich in Konzell eine der wenigen Brauereien im Familienbetrieb erhalten.


Geschichtlich bedeutsamer war freilich die Weißbierbrauerei in Gossersdorf. „Herzog Maximilian I. hat einen so gut wie bankrotten Staat übernommen, am Ende trotz des 30-jährigen Krieges das Land aber geordnet hinterlassen", berichtet Fuchs. „Er hat das Monopol aufs Weißbierbrauen gehabt, und daraus ergaben sich so viele Einnahmen wie aus der Salzsteuer." Das Braurecht im Bayerischen Wald habe zunächst bei den Degenbergern gelegen. Nach deren Aussterben 1602 sei der Herzog darangegangen, sein Weißbierimperium aufzubauen – und kaufte noch im gleichen Jahr die kurz zuvor gegründete Brauerei in Gossersdorf.

Das alte Sudhaus in Gossersdorf

In Gossersdorf steht das alte Sudhaus, in dem am 4. Juni der Konzeller Biersommer eröffnet wird. (Foto: Andrea Prechtl)

Es kam der Aufschwung

„Das hat den Ort und das Denken geprägt", sagt Fritz Fuchs. Plötzlich ratterten täglich schwere Fuhrwerke von und nach Gossersdorf, „der Weizen kam aus dem Gäuboden, der Hopfen aus dem Böhmischen, und geliefert wurde das Bier bis nach Straubing und darüber hinaus." Hinter Schwarzach habe Gossersdorf den größten Ausstoß aller Brauereien im damaligen Bayern erreicht. Die Region, in der bis dahin eher die Armut regierte, nahm dadurch einen Aufschwung. „Es gab neue Berufe und Aussichten", betont 2. Bürgermeister und „Biersommer-Beauftragter" Martin Schwarzer. „Es wurden beispielsweise Brauer und Fassbinder gebraucht. Aber auch, wer nur ein kleines Sacherl hatte, hat mit Arbeiten für die Brauerei sein Einkommen aufbessern können, durchs Eisstechen beispielsweise."

Außerdem wuchs der Ort. Wer in Gossersdorf arbeitete, der brauchte eine Wohnmöglichkeit. Ein Beispiel dafür ist des Bürgermeisters Geburtshaus; es wurde 1629 gebaut. Wie laut Fritz Fuchs aus alten Dokumenten hervorgeht, „war es der Braumeister Peter Schaller, dem erlaubt wurde, dort ein Häuschen zu errichten". Auch dass Kumpfmühl gemeindemäßig zu Konzell gehört und nicht zum viel näher liegenden Rattenberg geht den beiden Bürgermeistern zufolge auf die Brauerei zurück: „In dieser Mühle wurde das Malz für Gossersdorf gebrochen."

 

Weißbier-Schaubrauen

Wie aus Malz und den übrigen erlaubten Zutaten – Auslöser für die Biersommer-Idee war schließlich das Reinheitsgebot-Jubiläum – ein Biersud wird, das können Interessierte bei einem kleinen Weißbier-Schaubrauen am Sonntag, 5. Juni, in Gossersdorf erleben. „Das ist der Sudvorgang von sieben bis acht Stunden", erläutert Otto Kienberger, Chef der Klett-Brauerei. Fertig wird dieses Bier an dem Tag freilich nicht: „Die Gärung braucht sieben Tage und es folgen ein paar Wochen Lagerung." Das Biersommer-Team plant, das Ergebnis bei einem kleinen Fest für die Helfer zu verkosten.

 

Führung zur Dorfgeschichte

Der Festbetrieb zur Eröffnung des Biersommers beginnt am Samstagabend, 4. Juni. Um 19 Uhr ist Bieranstich durch den Schirmherrn, Landrat Josef Laumer. An diesem Abend und dem darauffolgenden Sonntag ist die Ausstellung zur Konzeller Brauereigeschichte im Gewölbekeller des Sudhauses zu sehen. Die Freiwillige Feuerwehr Gossersdorf kümmert sich als Veranstalter um den reibungslosen Ablauf des Festes. Am Sonntag, 5. Juni, wird um 13 Uhr ferner eine geschichtliche Dorfführung angeboten, bei der auch das über 400 Jahre alte Schloss besichtigt werden kann (für die Führung ist Anmeldung unter Telefon 09963/941440 nötig). Das Gebäude befindet sich in Privatbesitz und ist wie das alte Sudhaus – das den gleichen Eigentümer hat – normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Gossersdorfer Biersommer

Biersommer-Mitwirkende präsentieren Objekte, die in der Ausstellung zu sehen sein werden. Von links: Rudi Eckmann, Kommandant der FFW Gossersdorf, Martin Schwarzer, 2. Bürgermeister und Biersommer-Beauftragter, Christoph Kaltenecker, Sohn der Gossersdorfer Schloss- und Brauereibesitzerfamilie, Otto Kienberger, Chef der Konzeller Klett-Brauerei, Roswitha Decker, Vorsitzende des Radfahrervereins Konzell, Bürgermeister Fritz Fuchs, Matthias Zeidler, zweiter Vorsitzender der FFW Gossersdorf, Karl-Heinz Kerscher, Gemeinderat und Biersommer-Beauftragter, Josef Schedlbauer, Denkzeller Gastwirt, und Franz Stubenhofer, Depotleiter und Kundenbetreuer des Aldersbacher Bierdepots Haid. (Foto: Andrea Prechtl)