Gerhard Ilgenfritz: „Bierherstellung transparenter Prozess“

Gerhard Ilgenfritz

Gerhard Ilgenfritz ist der Präsident des Verbandes Private Brauereien Bayern. (Foto: privat)

Der Verband Private Brauereien Bayern e.V. ist eine weitere Organisation, die die Interessen der bayerischen Brauer vertritt. Er gehört als einer von vier regionalen Verbänden dem nationalen Dachverband Private Brauereien Deutschland an und vertritt die kleinen und mittelständischen Privatbrauereien. Mehr als 90 Prozent der 613 bayerischen Brauereien sind familiengeführt und unabhängig. Der Verband hat es sich zur Aufgabe gemacht, die unabhängigen Brauereien gegenüber den Großbrauereien bekannter zu machen, ohne dabei die regionale Ausrichtung seiner Mitglieder aus den Augen zu verlieren.

 

 

>> Gerhard Ilgenfritz ist der Präsident des Verbandes Privater Brauereien Bayern. Im Interview erklärt er, warum das Reinheitsgebot noch zeitgemäß ist.

Herr Ilgenfritz, warum soll Bier heute nicht auch mit anderen hochwertigen Zutaten gebraut werden dürfen? Ist das Reinheitsgebot noch zeitgemäß?

Gerhard Ilgenfritz: Das Problem bei der heutigen Herstellung von Lebensmitteln ist doch, dass (fast) alles gemacht wird, was technologisch oder technisch möglich ist. Daher rührt doch die Verunsicherung beim Verbraucher, weil er eben auf den Etiketten mit den E-gekennzeichneten Inhaltsstoffen nichts anfangen kann und nicht selten haben Lebensmittelskandale ihre Ursache in der Verwendung unklarer Stoffe. Das heißt, will man dem Verbraucher diese Unsicherheit nehmen, muss man die Verwendung der Rohstoffe und sonstiger Substanzen reduzieren, nur dann wird man transparent und der Verbraucher kann das nachvollziehen. Genau das passiert beim Reinheitsgebot: Die vier zugelassenen Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe kennt ein Konsument und die Bierherstellung ist ein transparenter Herstellungsprozess. Damit ist gerade in einer globalisierten Welt das Reinheitsgebot aktueller denn je und die geschmacklichen Varianten innerhalb dieses Reinheitsgebotes sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Ihr Verband vertritt vor allem kleinere Brauereien in Bayern. Wie hoch schätzen die Verbraucher heute Regionalität und Nachhaltigkeit bei der Bierherstellung?

In einer globalisierten und damit immer unübersichtlicheren Welt schätzen die Verbraucher regionale Produkte, weil die Herstellung und die damit verbundenen Beschaffungswege für sie transparent sind. Genau das bieten die regionalen Privatbrauereien: Der verantwortliche Bräu ist greifbar, die Bierherstellung ist mit dem Reinheitsgebot und nur vier Rohstoffen absolut transparent und die Brauereien können gezielt Auskunft über die Herkunft ihrer Rohstoffe geben. Dass in diesen Privatbrauereien die Wertschöpfung in der Region bleibt und nicht in unübersichtlichen Kanälen von Konzernen versickert, ist ein zusätzlicher wichtiger Faktor. Genauso wichtig ist die Nachhaltigkeit. Mit dem Kauf von Bieren aus regionalen Brauereien optimiert der Verbraucher seine persönliche Ökobilanz durch die kurzen Vertriebswege und das Mehrwegsystem für das Bier.

 

 

Interview: Jürgen Hirtreiter