Walter König: „Einzigartige Vielfalt mit nur vier Zutaten“

Friedrich Düll

Friedrich Düll ist der Präsident des Bayerischen Brauerbundes. (Foto: privat)

Der Bayerische Brauerbund ist der Dachverband der bayerischen Brauwirtschaft mit Sitz in München. Zweck des Verbandes, dem Brauereien aller Größenklassen aus sämtlichen Regionen Bayerns angeschlossen sind und der heute rund 90 Prozent des bayerischen Bierausstoßes repräsentiert, ist die „Wahrnehmung und Förderung der gemeinsamen Interessen der gesamten bayerischen Brauwirtschaft". Der Bayerische Brauerbund hilft durch eine kompetente Beratung bei betriebswirtschaftlichen oder technischen Fragestellungen, bei umweltrechtlichen oder -technischen Problemen, aber auch auf dem Gebiet des Sozial-, Arbeits- und Tarifrechts.

 

 

 

>> Friedrich Düll ist der Präsident des Bayerischen Brauerbunds. Warum das bayerische Reinheitsgebot wichtig ist, erklärt er im Interview.

Herr König, ganz kurz gefragt: Was bringt das bayerische Reinheitsgebot, das vor 500 Jahren erlassen und seitdem mehrfach ergänzt wurde, heute den Verbrauchern?

Walter König: Das Reinheitsgebot ist das älteste, noch unverändert gültige Verbraucherschutzgesetz der Welt. Es steht für Transparenz, Natürlichkeit, Klarheit und Reinheit. Gerade in einer Zeit globalisierter Warenströme und immer vielfältigerer, oft künstlicher Inhaltsstoffe bildet das Reinheitsgebot eine der seltenen Ausnahmen. Obwohl für die Bierherstellung nach dem Reinheitsgebot nur vier natürliche Zutaten erlaubt sind, entsteht in über 1 300 deutschen Braustätten jeden Tag eine einzigartige Vielfalt von rund 5 500 unterschiedlichen, charaktervollen Biermarken.

Trotz Reinheitsgebots wird Brauwasser chemisch aufbereitet. Ist also doch Chemie im Spiel?

Die Wasseraufbereitung ist in erster Linie eine Wasserenthärtung. Dabei ist keinerlei Chemie im Spiel. In der Regel wird das Wasser physikalisch enthärtet und danach mit Rohwasser je nach Biersorte wieder zur gewünschten Härte gemischt. Wenn die deutsche Brauwirtschaft von Lebensmittelskandalen verschont blieb, dann liegt dies auch daran, dass die Rohstoffe einer kontinuierlichen und umfassenden Rückstands- und Schadstoffkontrolle über alle Verarbeitungsstufen unterliegen. Diese Überwachung und das Gebot maximaler Transparenz fallen der Brauwirtschaft erheblich leichter als anderen Lebensmittelbranchen, da mit nur vier natürlichen Zutaten auch nur eine sehr geringe Anzahl kontrolliert werden muss.

Bei der Filterung werden Kieselgur und Kunststoffe eingesetzt, manche Biere sind sehr lange haltbar.

Der Hopfen gibt Bieren nicht nur ihren typischen Geschmack, er hat dank seiner Bitter- und Gerbstoffe auch eine konservierende Wirkung. Eine spezielle Haltbarmachung ist bei Bier dank des Hopfens und der in Deutschland herrschenden klimatischen Verhältnisse in der Regel nicht erforderlich. Um Hefezellen und andere Trubstoffe aus dem Bier zu entfernen, werden Biere häufig filtriert. Bei der Bierfiltration werden hierfür ausschließlich Filterhilfsmittel mit mechanischer Wirkungsweise eingesetzt, die unlöslich und völlig geschmacksneutral sind. Der Einsatz chemisch wirkender Hilfsmittel ist unzulässig. Als mechanische Filterhilfsmittel werden mineralische Kieselgur häufig gemeinsam mit Kieselgel und/oder PVPP, ein neutraler Kunststoff, eingesetzt. Diese Hilfsmittel halten trübende Hefezellen, Eiweiß- und Gerbstoffe zurück und werden bei der Filtration wieder aus dem Bier entfernt.

Wie hat sich der Biermarkt in Bayern in den letzten Jahren entwickelt und was ist eigentlich die Lieblingssorte der Bayern?

Das in Bayern am meisten hergestellte Bier ist Weißbier in allen Varianten vom Alkoholfreien bis zum Weißbierdoppelbock. In den vergangenen Jahren entstand ein größeres Interesse an Spezialitätenbieren, die in Bayern eine lange Tradition haben. Daneben entstand mit andersschmeckenden kreativen Bierstilen, den „Craft-Bieren", ein neues Segment im Biermarkt. Diese Biere geben den Brauereien die Chance, Braukunst, Braukultur und Biervielfalt wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken, die Wertigkeit des Genussmittels Bier zu steigern und neue Konsumentenkreise zu erreichen.

 

 

Interview: Jürgen Hirtreiter