Gesellschaft für Hopfenforschung: Biermarkt bereitet große Sorgen

Gesellschaft für Hopfenforschung

Positiv in die Zukunft blickten (v. l.) Friedrich Mayer vom Landwirtschaftsministerium, GfH-Geschäftsführer Bernhard Engelhard, die Hallertauer Hopfenkönigin Anna Roßmeier und GfH-Vorsitzender Michael Möller. Foto: Gebendorfer

Von Helga Gebendorfer

 

Mainburg/Wolnzach. Zufrieden über die Entwicklungen blickte Vorstandsvorsitzender Michael Möller bei der Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Hopfenforschung (GfH) im Deutschen Hopfenmuseum in Wolnzach in die Zukunft. Er erinnerte daran, dass die GfH inzwischen seit 90 Jahren besteht.

 

Mit dem Auftreten der damals noch unbekannten Krankheit Peronospora war die Existenz des Hopfenbaus in Bayern und damit die Rohstoffversorgung der Brauereien bedroht. „Aus Sorge um die Hopfenversorgung gründeten 1926 vor allem Brauer die GfH, einen privaten Verein, der bis heute für vorausschauende Forschung rund um den Hopfen steht",

stellte Vorsitzender Michael Möller fest.

 

Er fügte hinzu, dass auch die aktuelle Situation am Hopfenmarkt eine große Herausforderung für den Hopfenbau und die Züchtung sei. „Neuzüchtungen zur Ergänzung und Verbesserung des Sortenportfolios sind bei gleichzeitiger Beachtung der Zuchtziele Ertrag, Gesundheit und Standorteignung Schlüsselelemente für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit des Hopfenanbaus in Deutschland", erklärte er.

 

„Momentan bewegt uns der nicht mehr so prickelnde Biermarkt", beschrieb Möller die Lage. So ging 2015 die Weltbierproduktion um 1,5 Prozent zurück auf 1,927 Millionen Hektoliter. Deutschland nimmt mit einem kleinen Plus von 0,1 Prozent und 96 Millionen Hektoliter den vierten Platz im Weltranking ein und Bayern mit 23,7 Millionen den 14. Platz. „Damit sind wir mit einer schwarzen Null herausgekommen", kommentierte er. Während Deutschland 2015 16,8 Prozent vom Gesamtabsatz exportierte, waren es in Bayern 20,7 Prozent. Nach Auskunft des Vorsitzenden sind 88 Prozent der deutschen Braustätten mit einem Ausstoß von bis zu 50 000 Hektoliter Kleinbrauereien bzw. mittelständische Unternehmen. „Dabei ist die Biervielfalt groß", betonte er. So brauen 1 352 Brauereien mit der großen Auswahl an Rohstoffen, wie 170 Hopfensorten, 40 Malzsorten, 200 Hefestämme und hauseigenem Wasser rund 5 500 Biersorten. Dabei gilt: Wer nicht auf Craft-Biere setzt, verliert! Denn deren Anteil bei neuen Biermarken ist 2014 in Deutschland auf zwölf Prozent gestiegen.

 

Dabei bevorzugen 49 Prozent deutscher Biertrinker Bier aus der Region, 40 Prozent probieren lieber verschiedene Biermarken und 73 Prozent denken, dass die Qualität des Hopfens entscheidenden Einfluss auf den Biergeschmack hat. Die Hüller Spezial-Flavor-Hopfen wurden in der Hallertau 2015 auf 398 Hektar angebaut. Inzwischen wurden zwei neue Flavor-Hopfensorten zur Zulassung angemeldet. Ihnen wurden die Namen „Ariana" und „Callista" gegeben, und sie sind zum Anbau unter Lizenzauflagen freigegeben.

 

Möller berichtete, dass 2015 das alte Gewächshaus in Hüll generalsaniert wurde, wobei die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) etwa ein Drittel der Kosten übernommen hat. „Das ist eine Investition in die Zukunft", war er überzeugt.

 

Erfreuliches gab es zur Mitgliederentwicklung zu berichten. Demnach umfasst die Gesellschaft für Hopfenforschung aktuell insgesamt 400 Mitglieder - 152 Brauereien und Brauereiverbände, 191 Hopfenpflanzer und Pflanzerorganisationen sowie 57 Förder- und persönliche Mitglieder.

 

Adolf Schapfl, Präsident des Hopfenpflanzerverbandes Hallertau, dankte der GfH für die geleistete Arbeit und das große Engagement. „Sie hat viel in die Wege geleitet und davon profitieren alle Hopfenbauern", stellte er fest.

Ministerialdirigent Friedrich Mayer überbrachte die Grüße aus dem Landwirtschaftsministerium. „Ich bin froh, dass auf dem Hopfensektor einigermaßen Ruhe ist", betonte er angesichts der Unruhe auf den globalen Märkten. An die Brauer appellierte er an dieser Stelle, für gesicherten Nachschub zu sorgen und dabei den heimischen Markt nicht aus den Augen zu lassen. Weiter versicherte Mayer, dass das Ministerium voll hinter der GfH stehe und lobte die tollen Projekte im Forschungsbereich.

 

Er gratulierte der GfH zum 90. Geburtstag und bezeichnete sie als Erfolgsgeschichte. „Wenn es sie nicht gäbe, müsste sie erfunden werden", meinte er und wies darauf hin, dass sie in Sachen Innovationskraft gut aufgestellt ist. Dabei dachte er zum Beispiel an den Klimawandel und der damit verbundenen Frage nach der Bewässerung. „Sorgen Sie dafür, dass die Sonderkultur Hopfen immer im Gespräch bleibt", gab er den Zuhörern am Schluss den Ratschlag.