Brauereien aus dem Landkreis Cham: Familie Penzkofer setzt mit dem Waldschmidtbier die alte Eschlkamer Brautradition fort

Getränkevertrieb Penzkofer

1996 wurde der Getränkevertrieb Penzkofer an den Eschlkamer Ortsrand ausgesiedelt. (Foto: privat)

Von Jürgen Hirtreiter

 

Viele Straßen in Bayern und mehrere Denkmäler sind dem großen Heimatschriftsteller Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt, gewidmet. Über 70 Jahre nach seinem Tod im Jahre 1919 erfuhr der große Sohn der Marktgemeinde Eschlkam eine späte, aber besondere Ehre: Ein Bier wurde nach ihm benannt. 1991 beim Jakobimarktfest erstmals zum Ausschank gebracht, feiert die Marke heuer 25. Geburtstag. Damals wie heute wird das Waldschmidtbier im Lohnbrauverfahren hergestellt.

 

"Sommerfrische Eschlkam bei Furth, Bayerischer Wald, Brauerei Obermeier" ist auf einer Ansichtskarte aus den 1950er Jahren zu lesen. Darauf abgebildet: das stattliche Anwesen mit Gasthof, Brauerei, Biergarten und landwirtschaftlichen Gebäuden. Die Brauerei Obermeier ging 1955 in den Besitz von Josef Penzkofer von der Penzenmühle über. Die Brauereianlage war damals veraltet und die Sudpfanne nicht mehr funktionstüchtig. Josef Penzkofer führte den Betrieb weiter als Getränkevertrieb und begann 1956 in der ehemaligen Brauerei damit, Limonaden herzustellen. Nach und nach wurden die Gebäude renoviert. Knapp zehn Jahre später übernahmen Sohn Xaver und seine Frau Inge, geborene Frisch, aus der Brauerei Frisch in Sommerau, den Betrieb.

 

"Meine Eltern entwickelten den Getränkevertrieb weiter mit Heimdienst im Liefergebiet Altlandkreis Kötzting und belieferten Gastronomie-, Geschäfts- und Privatkunden. Im Laufe der Jahrzehnte erweiterte mein Vater das Getränkesortiment durch Kooperationen mit regionalen und überregionalen Brauereien, Getränkeherstellern und Mineralbrunnenbetrieben", sagt Maria Penzkofer, die den Gasthof zur Post zusammen mit ihren Eltern betreibt.

 

Die Idee, eine eigene Biermarke zu entwickeln und ein eigenes Bier anzubieten, entstand Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre. Damals war der Waldschmidtverein gegründet worden, eine regelrechte Renaissance für den Heimatschriftsteller setzte ein. Was lag da näher, als dem Ehrenbürger Eschlkams ein Bier zu widmen und damit die alte Brautradition des Hauses fortzuführen und die Jahrhunderte alte Brautradition Eschlkams mit seiner frühen Braustätte des Communebrauhauses in der Bräuhausgasse fortzusetzen? Eine regionale Brauerei wurde von Xaver Penzkofer beauftragt, das Waldschmidtbier im Lohbrauverfahren herzustellen. Beim Jakobimarktfest 1991 wurde das Waldschmidtbier erstmals ausgeschenkt, ein Jahr später auch beim Pfingstfest in Bad Kötzting.

 

Heute gibt es das Waldschmidtbier in drei Sorten: Helles, Export und Radler. Das Waldschmidtweißbier erhält man als Jakobi Weißbier hefetrüb, Leichtes Weißbier und alkoholfreies Weißbier. Alle Biersorten sind auch im Fass erhältlich, das Helle und das Export zusätzlich im Holzfass. Die Waldschmidtbierspezialitäten werden heute von regionalen, mittelständischen Brauereien nach dem bayerischen Reinheitsgebot gebraut.

 

Den Getränkevertrieb übernahm 1995 Xaver Penzkofer jun. Mit ihm trat die dritte Generation in das Unternehmen ein. Gemeinsam mit seiner Frau Marion verlegte er 1996 den Firmensitz in einen Neubau an den Eschlkamer Ortsrand. Neben den Waldschmidt-Bierspezialitäten vertreibt Getränke Penzkofer auch Biere verschiedener regionaler und überregionaler Brauereien. Als Getränkefachhandel umfasst sein Sortiment auch Limonaden, Säfte, Mineralwässer verschiedener Mineralbrunnen sowie Spirituosen zur Gastronomiebelieferung und Belieferung von Festen. Für das Waldschmidt Jakobi Weißbier hat er sogar Abnehmer in Japan sowie der Tschechischen Republik.

Stammhaus des Waldschmidtbieres ist der Gasthof zur Post. Das Anwesen in der Ortsmitte in der Nähe der Jakobskirche gehört zu den ältesten Siedlungspunkten der Marktgemeinde. Das Brauwesen in Eschlkam reicht Jahrhunderte zurück. Den Beruf des Brauers gab es im Mittelalter noch nicht. Dieser entwickelte sich erst im 13./14. Jahrhundert.

 

Wie der Further Stadtarchivar und Heimatforscher Werner Perlinger herausgefunden hat, wurde in Eschlkam - als Sitz eines Gerichts der bayerischen Herzöge - wahrscheinlich noch im 13., nachweislich aber bereits im frühen 14. Jahrhundert Bier gebraut. Es war dies im Hohenbogen-Winkel, dem damaligen Gerichtsbezirk, die einzige Braustätte. Die nächsten Braustätten für diese Zeit finden sich erst wieder in Cham, Chammünster und Kötzting.