Bierbranche: Jetzt machen die Frauen ein Fass auf

Bräu z'Loh bei Dorfen

Eine hervorragende Braumeisterin und starke Frau: Barbara Lohmeier- Opper im Garten der vom Bräu z’Loh bei Dorfen. (Foto: (C) Sead Husic)

Die Bierbranche ist in Bayern längst nicht mehr allein in der Hand von Männern – Beispiele

 


Mit drei kräftigen Schlägen treibt der Oberbürgermeister den Hahn ins Fass. Neben ihm lächelt der Bräu. Die Honoratioren heben die Krüge: „Zenzi! No a Maß!" In Bayern sind es traditionell Frauen, die mit starker Hand acht Literkrüge und mehr quer durchs Festzelt stemmen. Die Bierkönigin winkt huldvoll. Und sonst? Reine Männerwirtschaft im Bierland Bayern? Nicht doch.


Zwischen Alpen und Rhön trägt manche Frau in der Brauwirtschaft nicht nur Maßkrug oder Zepter, sondern die Verantwortung für den kostbaren Sud – und, wenn Not am Mann ist, auch das schwere Fass. Allein unter Männern behauptet sich Braumeisterin Barbara Lohmeier-Opper. Sie besuchte nach Abitur und Brauerlehre die Meisterschule; heute arbeitet sie in der väterlichen Brauerei Bräu z'Loh bei Dorfen.


Die Meisterschule war eine echte Männerwelt: Barbara Lohmeier hatte drei weibliche und 50 männliche Mitschüler. Die angehende Braumeisterin brauchte viel Fingerspitzengefühl und Fachwissen, um sich bei den männlichen Kollegen zu behaupten. Im heimischen Betrieb arbeitete sie zunächst in der Produktion. Dort war oft Muskeleinsatz gefragt. „Die Fässer habe ich selbst gewuchtet. Das gehört schon dazu!"


Heute leitet Barbara Lohmeier-Opper den Vertrieb. Ihr Vater betreut das Sudhaus, ihr Ehemann, ebenfalls Braumeister, die Produktion. „Wir arbeiten so eng zusammen, dass jeder für den anderen einspringen kann." Gleich drei Meister in einer kleinen Brauerei: Beim Bräu z'Loh pflegt man die Biere wahrlich mit Kompetenz. Barbara Lohmeier-Opper sieht einen typisch bayerischen Superlativ: „Ich schätze, wir sind die Brauerei mit der größten Braumeisterdichte der Welt!"

Für bayerisches Bier um die halbe Welt

Das kolumbianische Nationalgetränk ist Aguardiente, Zuckerrohrschnaps. Doch Lucero Gonzalez Castro bevorzugt Bier. Bayerisches Bier! 1999 kam Lucero Gonzalez aus einer Kleinstadt bei Bogotá nach Bayern, um alles über ihr Lieblingsgetränk zu lernen: „Schließlich ist Bayern das Land des Bieres!" An der TU München-Weihenstephan, der renommiertesten deutschen Talentschmiede für Braukundige, studiert sie Brauwesen und Getränketechnologie. Ihr Plan: mitten in Kolumbien eine Gasthausbrauerei im bayerischen Stil zu eröffnen. „Ich möchte ein Stück echter Bierkultur in meiner Heimat etablieren. Das ist mein Lebenstraum!"

Chefin im Bierzelt

Den wohl stressigsten Job – zumindest 16 Tage im Jahr – hat Stephanie Spendler. Mit ihrem Vater Wiggerl Hagn betreibt sie das Löwenbräuzelt auf der Wiesn. Seit 1999 hat die Hotelfachfrau und Betriebswirtin einen Vertrag als Oktoberfestwirtin. „Die Vergabe der Zelte ist meist Männersache. Aber ein Entscheider hat selbst eine Tochter, die etwas bewegen kann – er hat sich für mich eingesetzt."


Bei Stephanie Spendler richtet sich das Leben nach dem Oktoberfest. Von Januar bis März verschickt sie Anschreiben an Stammgäste, bis Juli werden Personalangelegenheiten ausgehandelt, bis August müssen Lieferanten, Sicherheitsdienste und Putzkolonnen gebrieft sein. Während des Festes arbeitet sie jeden Tag von Sonnenaufgang bis tief in die Nacht; ihre Kinder sieht sie nur am frühen Morgen. Trotzdem liebt sie Oktoberfest sehr. Und sie ist nicht die einzige Frau, die im Schatten der Bavaria jeden Tag aufs Neue mit voller Power durchstartet. Rund 160 Kellnerinnen arbeiten in ihrem Festzelt. Tag für Tag kämpfen sie sich im Dirndl durch die Menschenmenge, sechs, acht oder mehr bis zum Rand gefüllte Maßkrüge gestemmt – auch das ist in Bayern Tradition. Frauenpower hat eben viele starke Gesichter!

 

 

Quelle: Bayerischer Brauerbund