Wer kennt sein Lieblingsbier? Blindverkostung in der Redaktion

Bier-Blindverkostung in der Redaktion

Wer kennt sein LIeblingsbier? Fünf Redakteure der Straubinger Lokalredaktion haben den Test gewagt. (Foto: privat)

Von Christian Geist

 

„Mir kommt nur Karmeliten ins Haus!" Mit diesem Satz fing alles an. Ein Kollege hat ihn vor Monaten während einer Redaktionsbesprechung fallen lassen und kritzelte „Brauereifest" in den Terminkalender. Bierernst war der Kommentar zwar nicht gemeint, die Antwort kam dennoch schneller als der Bügelverschluss vom Halse ploppt: „Probier doch mal blind ein paar Biere. Wetten, dass du dein Karmeliten nicht erkennst?" Die Idee einer Blindverkostung war geboren.


Aufgrund des großen Interesses der Kollegen ob des Ausgangs des Experiments, wurde der Bügel sogleich ein wenig weiter gespannt. An einem Freitag finden sich also fünf Mitarbeiter der Redaktion zu einer außerordentlichen Konferenz  ein. Für Marie Sepaintner, Simon Franz, Ulli Scharrer, Johannes Schnabl und Christian Geist stehen dort 25 Biergefäße  rheinländischer Größe bereit. 0,1 Liter Festbier je Brauerei sollten schließlich genügen, um über den Geschmack zu  urteilen, ehe der Alkohol auch nur Gelegenheit bekommt, die Sinne zu trüben.


„Jetzt bitte die Augen schließen", sagt Barkeeper Tobi und läutet damit jede der fünf Runden der Blindverkostung ein. Mit dem Rücken zum Tresen bekommen die Biersommeliers in spe ein Bier nach dem anderen über die Schulter gereicht. „Könnte ich bitte ein Wasser zum Neutralisieren haben?", fragt Johannes bereits nach dem zweiten Schluck. „Dann will  ich aber an Schnaps", meint Ulli und stellt unumwunden klar, dass hier ganz sicher keine Profis schwenken, riechen und schmecken. Das Reglement sieht weder Wasser noch Weißbrot vor, sodass die fünf Festbiere schnell genippt und  Notizen dazu notiert sind. „I kenns scho", lallt Simon übertrieben und versucht unmittelbar vor Schankschluss noch ein Alibi für ein mögliches Scheitern zu finden. Vergebens. Die fünf Teilnehmer eröffnen der Jury und einigen Gästen des Lokals ihr neues Lieblingsfestbier. Als Tobi die Auflösung verliest, schlägt Marie die Hände vors Gesicht, Johannes schüttelt den Kopf, die anderen blicken einen Moment lang bedröppelt durch die Kneipe. Dann bricht Gelächter aus.

In dieser Reihenfolge wurde getestet:

  • Bier 1: Irlbacher
  • Bier 2: Erl
  • Bier 3: Röhrl
  • Bier 4: Karmeliten
  • Bier 5: Arco

Johannes

Johannes Schnabl

Johannes liebt Arcobräu-Bier. Im Biertest hat ihm aber das Röhrl-Bier am besten geschmeckt. (Foto: Ulli Scharrer)

„Am besten geschmeckt hat Bier Nummer 3,weil es die richtige Würze hatteund trotzdem angenehm süffig war. So sollte sich das perfekte Festbier am Gaumen anfühlen. Die anderen Vier waren natürlich auch mehr als nu rgut trinkbar, doch schmeckten sie entweder ein wenig zu fade oder gleich zu kräftig. Ich hatte nicht gedacht, dass die Biere der fünf Brauereien doch so unterschiedlich schmecken. Deshalb ist das kleine Experiment auf jeden Fall weiter zu empfehlen. So kann sich jeder sein eigenes Bild machen. Prost!"

 

Lieblingsfestbier: Arcobräu
Besondere Qualifikation:
trinkt auch dann sein Bier, wenn dasSportheim brennt
Größte Biersünde:
Schöfferhofer-Grapefruit während einer Germanistik-Vorlesung

Simon

Simon Franz

Simon trinkt am liebsten Karmelitenbier. Im Blind-Test hat ihm das Helle der Brauerei Irlbacher am besten geschmeckt. (Foto: Ulli Scharrer)

„Am besten geschmeckt hat Bier Nummer 1.Vielleicht, weil es das erste Bier an diesem schwülen Tag war. Vor allem  aber, weil es erfrischend prickelnd auf Gaumen und Zunge schwappt. Während der Kohlensäuregehalt bei seinen Konkurrenten teils mit dem von stillem Wasser vergleichbar ist, sprudelt diesesBier und es fließt der unaufdringliche Geschmack  von Hopfen aus dem Glas. Ich will Bier schmecken, auf eine harte Bitternote kann ich aber verzichten. Bier Nummer 1 schafft diesen Spagat. Gern mehr davon!"

 

Lieblingsfestbier: Karmeliten
Besondere Qualifikation:
5-Seidla-Steig-Pilger
Größte Biersünde:
trinkt zu wenig Bier

Marie

Marie Sepaintner

Marie mag am liebsten Arcobräu-Bier. Im Test hat sie es aber nicht erkannt. Ihr hat das Irlbacher am besten geschmeckt. (Foto: Ulli Scharrer)

„Am besten geschmeckt hat Bier Nummer 1,weil es eine angenehme Würze und gut geschäumt hat. Und der Geschmack hat mir von allen fünf Bieren insgesamt einfach am meisten zugesagt. Es war gar nicht so leicht, blind die fünf Festbiere zu unterscheiden und den Brauereien zuzuordnen, auch wenn ich schon seit einigen Jahren keinen der elf Tage am Gäubodenvolksfest auslasse. Auf die erste Maß freue ich mich jetzt besonders, die ist einfach immer die Beste! Die trinke ich dann auf wunderbare elf Ta ge im Trumm vom Paradies. Prost!"

 

Lieblingsfestbier: Arcobräu
BesondereQualifikation:
inoffizielle Landkreismeisterin im Beerpong
Größte Biersünde:
Becks Lemon, VeltinsV+

Christian

Christian Geist

Christian liebt Bier aus seiner Heimat Franken. Am ehesten kommt für ihn bei der Blindverkostung das Bier der Brauerei Röhrl. (Foto: Ulli Scharrer)

„Am besten geschmeckt hat Bier Nummer 3, weil es mich an meine fränkische Heimat erinnert. Es prickelt angenehm auf der gesamten Zunge, schäumt nicht zu viel und nicht zu wenig und transportiert schon mit dem ersten Schluck eine große Portion Geschmack an den Gaumen. Während sich andere Biere wässrig oder gar schal angeschmeckt haben, strotzt dieses Bier gerade zu vor Aromen! Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich doch glatt behaupten: So muss ein fränkisches Bier schmecken."

 

Lieblingsfestbier: Karmeliten
Besondere Qualifikation:
am Ta gdes Anstich der Bergkirchweih in Erlangen geboren
Größte Biersünde:
Dosenbier mit Apfelaroma

Ulli

Ulli Scharrer

Ulli tippte bei der Blindverkostung auf das Bier der Brauerei Röhrl, eigentlich liebt er Karmeliten. (Foto: privat)

„Am besten geschmeckt hat Bier Nummer 3, weil es am süffigsten war. Ich bin echt überrascht, wie unterschiedlich die fünf Festbiere schmecken und, dass ich beim Ratender Brauereien nur eine erkannt habe. Festbier hat einen deutlich anderen Geschmack als normalesHelles. Hopfen, Malz, Wasser und Hefe – jeder bayerische Brauer arbeitet mit den selben  Rohstoffen, aber anscheinend kommt es hier auf die Feinheiten des Handwerks an. Jeder Grillrunde kann ich so eine  Probierrunde nur empfehlen. Ein bierernster Spaß."

 

Lieblingsfestbier: Karmeliten
Besondere Qualifikation:
besitzt acht Bierdiplome
Größte Biersünde:
warmesBier