Der Genusstrinker: Wie Pit Krause die Craft-Beer-Szene nach Deutschland holte

Pit Krause

Pit Krause ist passionierter Genusstrinker. (Foto: privat)

Von Franz Nopper

 

Pit Krause ist passionierten Genusstrinkern über die Grenzen Bayerns hinaus ein Begriff. Mit seinem offenen Club „slowdrink.de" hat er schon Tausende für hochwertigen Whisky und andere feine Getränke begeistert. Zusammen mit Freunden veranstaltet er sogenannte „Tastings", also Probierabende, bei denen für jeden Geschmack etwas dabei ist. Über 6.000 Flaschen Whisky und Rum zählt er zu seiner Privatsammlung, teils über 100Jahre alt und mit bewegter Geschichte, ob als Kriegsbeute oder aus dem Keller berühmter Männer stammend.

 

Aufgewachsen ist der 41-jährige Partenkirchener aber eher landestypisch – mit Bier. Seine Familie betrieb am Garmischer Bahnhof ein Bierdepot und so hat er schon als Bub gelernt, Qualität zu riechen und darüber zu reden. Zwar habe er sich bereits als junger Mann abgetrunken, „Bier war einfach Bier und nichts Besonderes. Allerdings ist Whisky nichts anderes als gebranntes Bier" – also wurde ein profundes Wissen über den Gerstensaft für den Single-Malt-Guru zur Ehrensache.

 

Glückliche Fügung muss man es dann wohl nennen, dass er für sein Lehramtsstudium um die Jahrtausendwende ein paar Jahre in den USA verbringen durfte. „Sobald irgendwer erfuhr, dass ich Bayer bin, musste ich jedes Bier probieren, das sie hatten – und ich war baff." Denn ausgerechnet im Land der großen Industriebrauereien mit ihren wässrigen Allerweltsmarken gab es eine Vielzahl kleiner, handwerklicher Brauereien mit eigenem Lokal: die Brewpubs. „Die Wirte wollten die billige Massenware ja selber nicht trinken, also haben sie sich das Brauen beigebracht." So etwas wie Brauereibindung gab es nicht und auch das Fehlen eines Reinheitsgebotes war günstig. So konnten die Kleinbrauer alle Bierstile, alle Zutaten und Methoden durchprobieren, bis sie selbst mit dem Ergebnis zufrieden waren.

 

Viele dieser Sorten waren zuerst Geheimtipps und zusammen mit Freunden verkostete Krause etliche davon. Sein Urteil als „German Beer Snob" war ebenso geschätzt wie gefürchtet. Wer gut war, fand dadurch aber schnell treue Abnehmer: „Ein paar von denen sind richtig groß rausgekommen", erinnert sich Krause an die Zeit, als die ersten Brauer über ihren Erfolg Bücher schrieben, die für die Szene zu Standardwerken wurden.

 

Auch im Deutschland der Nullerjahre suchten bewusste Biertrinker nach Abwechslung. Wie in den USA teilten immer größere Bierfabriken den Markt unter sich auf, die Vielfalt an Bieren nahm mehr und mehr ab. Eine Handvoll Überzeugungstäter, wie Krause sie nennt und kennt, hatten sich da schon mit der neuen Philosophie des Selberbrauens und Teilens infiziert. „Man braucht ja nicht viel, einen Herd, eine Badewanne, ein Buch mit Rezepten, zum Anfangen reicht das. Bald gab es auch in Deutschland eine Craft-Szene und aus Freaks wurden Profis." Mit auf dieser Welle des individuellen Geschmacks reiten auch viele kleine Brauereien, die einfach gut waren und mit ihrem Erfahrungsschatz punkten konnten. „Die brauen ja schon immer handwerklich. Das ist auch Craft Beer, aber heißt halt nicht so. Was zählt ist der Geschmack."

 

Zusammen mit Freunden tüftelte Krause dann an einem Konzept, wie man diese Bewegung noch bekannter machen konnte. Binnen weniger Jahre mauserte sich die von Frank Böer aus der Taufe gehobene Messe „Braukunst Live" in München zu einem Besuchermagneten. Allein das Craft-Bier-Festival, im Sommer 2015 auf dem Haidplatz in Regensburg, lockte über 10.000 Kenner und Neugierige an. Dass ein richtiges Craft Beer doppelt und dreimal so teuer sein darf, wie ein Bier aus dem Supermarkt, beweist, dass man mit Qualität punkten kann. „Mehr und bessere Zutaten, längere Reifezeiten, das lohnt sich", weiß Krause. Gerade kleine und mittlere Brauereien können hier gut verdienen.

Je größer der Hype, desto weniger Überblick hat allerdings der Käufer. Die ersten Industriebrauereien verkaufen inzwischen Craft Beer im Supermarkt, aber „da werden auch nur Knöpfe in der Fabrik gedrückt", winkt Krause ab, „am besten selber probieren, dem eigenen Geschmack vertrauen."