Geschmacksrevolution beim Craft Bier Festival in Regensburg

Craft Bier Festival Regensburg geht in das zweite Jahr

Die 0,1-Liter-Probiergläser sind ein Markenzeichen des Craft Bier Festivals geworden. (Foto: Johann Schmidt)

Von Franz Nopper

 

"Nicht noch ein Besäufnis!", stöhnte die gequälte Regensburger Altstadtseele voriges Jahr, als sich Anfang Mai zum ersten Mal handwerkliche Klein- und Kleinstbrauer in den rappelvollen Veranstaltungskalender zwängten. Hatte noch eine Woche davor der Tag des bayerischen (Frei-)Bieres eher für Abscheu als Begeisterung gesorgt.

 

Aber was die Craft-Bier-Enthusiasten um Thomas Raab, Martin Schwenke und Pit Krause da am Haidplatz drei Tage lang auf die Beine stellten, entwickelte sich zum genauen Gegenteil. Es ging nämlich überhaupt nicht um den kollektiven Rausch, diese schädlichste aller Missdeutungen von Gemütlichkeit, sondern um den puren Geschmack verschiedener Bierstile; es ging um Vielfalt und Offenheit. Insgesamt über 10.000 Gäste erlebten, dass nicht nur ein stets volles Krügerl, sondern auch ein halbvolles Probierglas glücklich machen kann. Und dass wirklich gutes Bier nun mal seinen Preis hat – das schüttet man nicht einfach hinunter, sondern genießt jeden Schluck.

Wie ein Pfingsterlebnis

Das Konzept ging nicht nur auf, es schlug geradezu ein. Noch Wochen danach unterhielten sich Jung und Alt über die friedliche Atmosphäre; darüber, dass es die drei Tage lang nicht eine Rauferei gab, nicht eine Bierleiche und nicht ein Wildpiesler, obwohl gleichzeitig Dult und Vatertag über die Bühne gingen. Wie schön das Wetter war und wie man in der Dämmerung leicht angeschwipst selbst anfing, über bittere und malzige Hopfensorten, ober- und untergärige Brauarten sowie ganz, ganz exotische Biere zu fachsimpeln: "Wie? Du hast es nicht probiert? Schade!" Beinahe wie ein Pfingsterlebnis kam über die Menschen so das Bewusstsein, was Bier über senie nährende und berauschende Wirkung hinaus noch alles ist: ein Kulturgut im besten Sinne.

Restlos ausgebucht

"Heuer müssen wir auf den Neupfarrplatz umziehen, der Haidplatz ist zu klein", erklären Raab und Schwenke in der Birretta, ihrem kleinen aber feinen Getränkemarkt an der Ecke Posthorngässchen und Goldene-Bären-Straße. "24 Brauereien können wir mitnehmen, damit sind wir ausgebucht." Täglich melden sich Nachzügler, die über eine Warteliste hoffen, doch noch an der Party teilnehmen zu können. Alle Biere, die auf dem Festival verkostet werden, gibt es übrigens am Stand der Birretta sowie vorher und nachher im Laden zu kaufen. Mit dabei sind regionale Größen wie das Spital, die Eichhofener, Riedenburger, Nittenauer und Rhaner Brauereien. Aber auch internationale "Stars" locken, etwa die schottischen Brewdog-Biere, die Hopfenentwickler "Hopsteiner" oder Sebastian Sauers Bierkompass, der derzeit als einer der kreativsten Bierbastler der Welt gefeiert wird.

Public Brewing zur Bier-WM

Zahlreiche Aktionen und ein komplettes Rahmenprogramm stehen bereit. Livemusik, Grillkunst von deftig-fleischig bis entspannt-vegan und auch Kinderunterhaltung dürfen nicht fehlen. Am Stand von "Hopsteiner" wird etwa demonstriert, wie man aus einem Grundbier durch "Hopfen-Stopfen" mehrere verschiedene Endbiere erzeugen kann. Wer selbst ins "Micro-Brewing" einsteigen will, findet alle Tipps und Anregungen, die er benötigt. Eines der Highlights werden bestimmt wieder die geführten Touren mit "slowdrink"-Guru Pit Krause und seinem Team sein, der auch absoluten Neulingen pädagogisch brillant die Scheu vor fremden Geschmackserlebnissen nehmen wird. Übrigens findet zeitgleich in den USA der World Beer Cup statt, die Verkostungs-Weltmeisterschaft der internationalen Brauszene. Um den Hunger der Gäste kümmern sich die Barbeque-Rockers an ihrem Foodtruck. Das genaue Musikprogramm wie auch alle anderen Informationen können online unter der Adresse www.craftbierfestival.de abgerufen werden. Der Eintritt zum Festival ist frei.